GlobaliSE — flexible Unternehmenssoftware unter Nutzung globaler Ressourcen
Wirtschaftsinformatiker wollen die Wettbewerbsfähigkeit kleiner und mittelständischer Software-Unternehmen in Baden-Württemberg stärken.
Die Globalisierung gehört längst zum Alltag. Das spüren auch baden-württembergische Unternehmen. Die weltweite Konkurrenz ist groß, auch im Software-Bereich. „Schon vor einigen Jahren habe ich mir die Frage gestellt, wie sich die Zukunft des deutschen Software-Mittelstands entwickeln wird angesichts der zunehmenden Informatik-Kenntnisse von Programmierern im Ausland, etwa in Osteuropa oder Indien", umreißt Prof. Dr. Armin Heinzl vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Wirtschaftsinformatik den Ausgangsgedanken für sein aktuelles Forschungsprojekt. Gemeinsam mit Prof. Dr. Martin Schader, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsinformatik III und zwei Kollegen von der Universität Karlsruhe hat er vom baden-württembergischen Wissenschaftsministerium den Zuschlag für „GlobaliSE" bekommen. GlobaliSE steht für globalisierte Software-Entwicklung. Durch das Projekt sollen kleine und mittlere Software-Unternehmen bei der Produktentwicklung und Auslagerung von einzelnen Arbeitsschritten unterstützt werden. „Der Lebenszyklus von Software-Systemen umfasst verschiedene Schritte wie Anforderungsanalyse, Entwicklung der Software-Architektur, Programmierung, Auslieferung und Weiterentwicklung beziehungsweise Anpassung des Produkts", erläutert Heinzl. „Aufgrund des Fachkräftemangels und der Lohnniveauunterschiede weltweit kann es sinnvoll sein, einzelne Arbeitsschritte auszugliedern, zum Beispiel nach Osteuropa oder Asien."
Ziel dieser Ausgliederung ist, durch sie das Überleben der Unternehmen zu sichern. „Zur Stärke hiesiger Fach- und Führungskräfte zählt das ganzheitliche und kundenzentrierte Denken in komplexen Systemen und Prozessen. Die Inder haben bezüglich des Entwicklungs-Know-Hows in den letzten Jahren aufgeholt. Aber wir kümmern uns um komplette Lösungen", so Heinzl. Dieser Wettbewerbsvorteil soll genutzt und weiterentwickelt werden: Die Kernprozesse mit hoher Wertschöpfung bleiben in Deutschland, die Entwicklung weniger komplexer Teilaufgaben wird ausgegliedert. Dabei ist auch Forschungsgegenstand, wie die Ausgliederung am effektivsten abgewickelt werden kann. „Wir wollen erreichen, dass zum Beispiel ungarische Entwickler Teilaufgaben bekommen und der Prozess der Entwicklung und der Zusammenführung des Produkts dann so optimal läuft, als säßen sie im Raum nebenan", erklärt Heinzl. Dass die Forschung der Wirtschaftsinformatiker relevante Auswirkungen haben wird, verdeutlicht die Statistik: Drei Prozent aller Beschäftigten in Baden-Württemberg sind in mittelständischen Software-Unternehmen tätig. Sie erwirtschaften allein 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. „Das sind hochqualifizierte Arbeitskräfte. Mit unserer Forschung sorgen wir nicht zuletzt dafür, dass diese Arbeitsplätze erhalten bleiben", so Heinzl.
