Projekt GlobaliSE analysiert Outsourcing-Mängel
Fachkräftemangel und Wettbewerbsdruck zwingen zunehmend auch mittelständische Unternehmen in Baden-Württemberg dazu, die Softwareentwicklung teilweise ins Ausland zu verlagern. Ansätze, wie sie dabei Qualitätsmängel ausschließen können, erarbeitet das Projekt GlobaliSE.

Professor Andreas Oberweis vom KIT untersucht einen integrierten Lebenszyklus für Geschäftsprozesse und Unternehmenssoftware: Unternehmen sollen ihre Software auch unabhängig vom auswärtigen Entwickler weiterentwickeln können. Foto: KIT
Beteiligt an dem Projekt sind das Karlsruher Institut für Technologie (KIT), das Forschungszentrum Informatik und die Universität Mannheim. Das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt mit 1,4 Millionen Euro.
Häufigster Grund für ein Outsourcing bei der Softwareentwicklung ist ein Mangel an Fachkräften vor Ort – das Ergebnis ist oft alles andere als zufriedenstellend, erklärt Professor Ralf Reussner, der Koordinator des Projekts: „Wenn Firmen keine räumliche Nähe zu ihren Entwicklern haben, werden oft die Anforderungen an die zu entwickelnde Software nicht erfüllt.“ Viele Outsourcing-Projekte scheitern an überhöhten Kosten aufgrund ungeeigneter Methoden für die verteilte Softwareentwicklung.
Insbesondere mittelständischen Unternehmen sei häufig nicht klar, wie sie systematisch die Qualität der Ergebnisse ausgelagerter Entwicklungsaufgaben prüfen könnten, so Reussner. „Großunternehmen dagegen sammeln aufgrund ihrer größeren finanziellen Möglichkeiten Erfahrungen – und das ist notwendig.“
Um diesem klaren Wettbewerbsnachteil für Mittelständler beim Thema Outsourcing zu begegnen, brauche es intelligentere Formen der verteilten Softwareentwicklung. Dafür müssten Projekte der Softwareentwicklung sinnvoll aufgegliedert werden, um schützenswerte Aktivitäten, die zum Beispiel einen engen Kundenkontakt erfordern, im Land zu halten und nicht-komplexe Standardaufgaben ins Ausland verlagern zu können. Auf diese Weise sollen laut Reussner deutsche Arbeitsplätze und Know-how gesichert werden, „und gleichzeitig lassen sich Synergieeffekte durch eine intelligente Auslagerung von spezifischen Aktivitäten in andere Länder nutzen“.
Daneben sei es wichtig, dass die Unternehmen die Software auch unabhängig vom auswärtigen Entwickler weiterentwickeln können. Daran arbeiten im Projekt GlobaliSE Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker um die Professoren Reussner und Andreas Oberweis vom KIT sowie den Projektleiter Ralf Trunko vom Forschungszentrum Informatik. So untersuchen sie einen integrierten Lebenszyklus für Geschäftsprozesse und Unternehmenssoftware: Im Laufe eines Geschäftsprozesses ergeben sich häufig neue Anforderungen an die Software, die ihn unterstützen soll – sie effizienter aus den Veränderungen der Prozesse ableiten zu können, ist das Ziel der Wissenschaftler. Zugleich wollen sie den Prozess an die technische Entwicklung anpassen und zum Beispiel Medienbrüche beseitigen.
