Teilvorhaben I: Lebenszyklusmanagement
Ausgangssituation
Zentrale Prämisse des Vorhabens ist, dass sich die Stärke der hiesigen Softwareindustrie in ihrem engen Bezug zu den Geschäftsprozessen ihrer Kunden niederschlägt. Der Lebenszyklus der Unternehmenssoftware sollte also in engem Zusammenhang mit der Planung und Durchführung der Geschäftsprozesse im Unternehmen stehen. Je besser beide aufeinander abgestimmt sind, umso leistungsfähiger ist das Unternehmen. In dem Maß, in dem sich das Geschäftsumfeld ändert, muss das Unternehmen auch seine Geschäftsprozesse und die betroffene Unternehmenssoftware anpassen. Es ist daher sinnvoll, für beide von einem Lebenszyklus zu sprechen und für dessen methodische Bewältigung von einem ingenieurmäßigen Vorgehen („Engineering"). Abbildung 1 veranschaulicht den Zusammenhang. Im Rahmen des Projekts soll daher eine integrierte Betrachtung der Lebenszyklen von Geschäftsprozessen und der sie unterstützenden Unternehmenssoftware durchgeführt werden. Durch dieses Vorgehen soll die Funktionalität der Unternehmenssoftware an diese Änderungen effizient und effektiv angepasst wird. Softwarehersteller sollen jedoch auch von sich aus neue technologische Entwicklungen, die verbesserte oder wirtschaftlich günstigere Geschäftsprozesse erlauben, dem Kunden unmittelbar zugute kommen lassen.
Die Gründe für Veränderungen auf Geschäftsprozess- bzw. auf Softwareseite sind dabei vielschichtig. Die nachfolgende Tabelle 1 zeigt Beispiele für die Ursachen von Änderungen:
| Geschäftsprozesse | Software |
|---|---|
| Änderungen in gesetzlichen, technischen, wirtschaftlichen Rahmenbedingungen | Neue HW, Programmiersprachen, Architekturparadigmen, … |
| Messen technisch-infrastruktureller Performanzgrößen (Aufrufhäufigkeiten, Datenvolumina, Antwortzeiten, …) | Degradierung von Qualitätsparametern über die Zeit (Code-Basis, Übersetzungszeit, Transparenz, interne Schnittstellen, …) |
| Änderungen in der Unternehmensstrategie | Wechselnde Anforderungen |
Ziele
Das Teilvorhaben soll sich im Rahmen dieser allgemeinen Zielsetzung zweier Themen besonders annehmen: dem Beobachten („Monitoring") sowohl von Geschäftsprozessen als auch von technologischen Fortschritten bei Software und Hardware sowie dem Erkennen von Handlungsbedarf („Alerting").
Ein zentrales Konzept sind hier quantitative Größen in Form von Kennzahlen. Innovative Idee beim Lebenszyklusansatz von GlobaliSE ist es, Kennzahlenkonzepte für Geschäftsprozesse und Softwarearchitekturen zu verknüpfen. Dabei werden präzise Modelle für Prozessfragmente und Softwarekomponenten um Kennzahleninformationen ergänzt. Durch Abgleich mit den ursprünglichen Vorgaben und den aktuellen Geschäftsprozessen können neue Vorgaben für eine kontinuierliche Verbesserung auf Basis der definierten Kennzahlen erarbeitet werden. Ergebnis sind weitgehend vollständig und konsistent modellierte, analysierte und kontrollierte Geschäftsprozesse und Softwarearchitekturen, die zielgerichtet an die sich permanent ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden können.
Allerdings sind nicht alle Änderungsbedarfe durch Kennzahlen überprüfbar. So müssen im technischen Bereich neue Produktankündigungen oder neue Technologietrends sowie im nicht-technischen Bereich gesetzliche Regelungen oder Strategieänderungen in ihrer Bedeutung für den Kunden frühzeitig erkannt werden. Hier kann z. B. eine semantische Suche zur Auswertung von Textdokumenten ansetzen, die für die Änderungsdurchführung relevante Informationen extrahiert und in das Überwachungswerkzeug einbindet.
Grundlage der in diesem Teilvorhaben zu entwicklenden Werkzeuge und Methoden sind im Rahmen der Anforderungsanalyse und des Architekturentwurfs erstellte Prozess- und Architekturmodelle, die sich für Zwecke des Alerting auf Kenngrößen reduzieren lassen. Für das Beobachten technischer Neuerungen (z. B. neue Sprachen, Algorithmen, Architekturparadigmen, ...) muss zudem auf Dokumente zugegriffen werden, die einer intelligenten Informationsfilterung unterworfen werden.
Als konkrete Ergebnisse des Teilvorhabens sind hierbei Handbücher, Dokumentationen von „Best Practises" sowie Werkzeuge, welche die im Teilvorhaben entwickelten Methoden umsetzen bzw. unterstützen (z. B. zur Analyse der Auswirkungen von Architekturänderungen auf den zugehörigen Geschäftsprozess) geplant.
Arbeitspakete
| 1.1 | Erweiterung GP-Modell um Zielsystem zur Überwachung der GP-Unterstützung durch SW-Systeme |
| 1.2 | Methodik zur Bewertung der Auswirkungen von Zieländerungen auf SW-Architektur |
| 1.3 | Entwicklung Werkzeug zur fortlaufenden Überwachung der Zielerfüllung GP-Schemata mit Hinweis auf Änderungsnotwenigkeit der Software |
| 1.4 | Entwicklung Methodik zur Verfolgung technologischer Neuerungen mit Verbesserungspotential für die unterstützten GP-Schemata |
Vorarbeiten
- Das Projekt Robot2Business beschäftigt sich mit der kontextsensitiven Ausführung von und Ausnahmebehandlung in Geschäftsprozessinstanzen. Im Projekt GlobaliSE wird diese Vorgehensweise nicht auf Instanzen, sondern auf Geschäftsprozess-Schemata angewandt (im Sinne einer Schema-Evolution).
- Das Projekt Outshore hatte die Beurteilung der Erfolgsfaktoren bei der Vergabe von Softwareprojekten an Niedriglohnländer zum Ziel. Eine Teilmenge dieser Erfolgsfaktoren bezieht sich auf die Identifikation von zur Auslagerung geeigneter Komponenten.
- Performance-Netze, eine Variante höherer Petri-Netze, wurden an der Universität Karlsruhe (TH) entwickelt und stellen einen integrierten Ansatz zur Modellierung und Kontrolle von Geschäftsprozessen und Kennzahleninformationen dar. Diese Netze sollen um Schnittstellen zur Anfoderungsanalyse sowie zum Architekturmodell erweitert werden.
- Am Forschungszentrum Informatik Karlsruhe wurden Methoden für eine semantik-basierte Informationsfilterung für das Monitoring und Alterting bei technischen Dokumenten entwickelt, die im Rahmen der Beobachtung von Veränderungen auf Softwareseite verwendet werden können.
